China-Compilation: Rückblick und Zusammenfassung

Unser Touristen-Visum galt nur vier Wochen, aber es reichte für einen ersten Eindruck vom Landes-Inneren. China ist ein beeindruckendes Land und mit nichts vergleichbar, das wir bis Dato kennen gelernt hatten.

Land und Leute

Stadtansicht von Bozhou
Stadtansicht von Bozhou

Das Rad dreht sich schnell im Reich der Mitte, Immobilien sprießen überall in irrsinnigem Tempo in die Höhe, teilweise werden Baustellen nachts noch vorangetrieben. Auch technologisch stehen die Chinesen dem Okzident in nichts nach, sind ihm in einigen Bereichen sogar voraus. Uber (in Dtl. seit März 2015 als gesetzeswidrig erklärt) ist eine viel genutzte Alternative für die immer-vollen Taxis in großen Städten. Statt Ebay/Amazon und Facebook/WhatsApp dominieren hier die Dienste Taobao und WeChat.

Es werden spürbar Anstrengungen unternommen, die Luftqualität in Großstädten zu verbessern und so des allgegenwärtigen Smogs Herr zu werden. Das fängt damit an, dass zumindest in Peking Stadtbezirksweise täglich wechselnd Fahrverbote ausgesprochen werden. Zudem gibt es einen Zulassungsstop für Motorroller. Überall dominieren deshalb Elektrofahrzeuge das Stadtbild. Alle rüsten um und das unabhängig vom Geldbeutel. Sogar der motorisierte Rikschafahrer fährt vermehrt elektrisch. Elektromobilität ist in Teilen Chinas spürbar angekommen. Das könnten sich europäische Städte noch zum Vorbild nehmen!

Unser subjektives Empfinden war, dass wenig Bewusstsein für die Pflege des eigenen historischen Erbes besteht. Bewahrt und renoviert wird vorrangig, womit sich touristisch Geld verdienen lässt. Der Antrieb am Erhalt wird nicht gesteuert durch den gesellschaftlichen Wert, der in Kulturgütern erkannt wird. Der Blick ist in die Zukunft gerichtet und lässt gelegentlich Vergangenes zu sehr außer Acht.

PHD-Student der Physik in Xi'an, welcher uns die Busfahrt sponste und uns zu unserem Ziel in die Innenstadt brachte
PHD-Student der Physik in Xi’an, welcher uns die Busfahrt sponste und uns zu unserem Ziel in die Innenstadt brachte.

Wir erlebten die Chinesen als ungeheuer höflich, gastfreundlich und hilfsbereit. Trotz großer Sprachbarriere taten viele Chinesen ihr Möglichstes, uns zu helfen… Wir kamen meist nur mit recht gebildeten Menschen in tieferen Kontakt, weil ohne Englisch die Kommunikation nur fragmentarisch möglich war. Von solchen hörten wir, dass in traditionellen Häusern großer Zusammenhalt innerhalb von Familien herrscht. Während in Deutschland die neue Familie nach einer Hochzeit meist ausgegründet wird, so heiratet man in China eher in eine Familie ein und lebt dann mit seinen Schwiegereltern unter einem Dach.

Toll fanden wir die Lebendigkeit in Parks und auf öffentlichen Plätzen, wo sich Leute jeden Alters nach Sonnenuntergang zum Musizieren, Tanzen oder Sportmachen trafen. Besonders interessant sind die einheitlichen Bewegungen der Volkstänze, die meist von weiblichen Frauen in den 50ern performt werden – oft auch in einheitlicher T-Shirt-Kluft… andere Länder, andere Sitten. Das merkte man mitunter auch an Kleinigkeiten, etwa der Angewohnheit, Vögel samt Käfig – aber manchmal auch andere Haustiere – abends raus auf die Straße zum Lüften zu stellen. Selbst westliche Produkte kommen oft mit kulturell angepasstem Finish auf den Markt, wie beispielsweise die Verpackung von Kinderschokolade, auf der statt Günter Euringers Nachfolger ein einheimischer Jüngling zu sehen ist. Verpackungs-technisch stehen Chinesen voll auf Plastik. Die Regale in Supermärkten sind voll von qietschbunten, laminierten Süßigkeiten, eingeschweißten Geflügelfüßen und anderen schmackhaften Snacks, die an der Kasse selbstverständlich nochmal in eine Tüte gesteckt werden. Kunststoffverpackung ist gleichbedeutend mit frisch und frischer als in Plastik ist nur lebendig!

Snack-Regal in Supermarkt
Snack-Regal in Supermarkt

Uns fiel unweigerlich auf, dass Chinesen überall – sei es auf der Straße, in Gebäuden oder Zügen – auf den Boden rotzen, wofür das Nasen-Innere, Tief-Gelbe zuvor laut grunzend in den Mund befördert wird. Gepaart mit der Erfahrung, dass sich Chinesen sämtlichen Mülls meist an Ort und Stelle entledigen, hinterlässt dies von den Chinesen nicht den reinlichsten Eindruck… Dem wiederum stehen etliche Putzkolonnen gegenüber, die den weggeworfenen Müll aufsammeln und entsorgen – nicht immer auf die effizienteste Art, aber bemüht. An neueren Fernbahnhöfen nimmt das abstruse Ausmaße an, weil nicht genug Müll – also Arbeit – für die vielen Reinigungskräfte da ist und diese geradezu darauf warten, dass der nächste Fahrgast etwas fallen lässt. An diesen Orten ist es abnormal sauber, sodass man vom Boden essen könnte.

Chinesische Küche

Das Essen in China ist ungeheuer vielseitig und hat viel mehr zu bieten, als man gemeinhin von chinesischen Restaurants in Deutschland kennt. Gegessen wird selbstverständlich mit Stäbchen (Chopsticks). Doch die Speisekarte gibt längst nicht nur Reis her, sondern bietet neben diversen Nudel- und Teigtaschen-Variationen, von denen jede Region ihre eigenen kennt, auch tolles Fladen- und Hand-Brot. An Fleisch kommt so ziemlich alles auf den Teller, was man sich vorstellen kann. Die meisten herzhaften Gerichte leben von einer großen Menge Knoblauch und zumeist auch Chili. Wer es sich leisten kann, verzichtet gar gänzlich auf Reis (米饭 [米飯] mǐfàn [烹]) und zeigt so seinen höheren Stand. Denn Reis gilt als das Essen der Armen und kostet im Restaurant nur circa 2 Yuan (= 30 Cent) pro Teller. Sojasauce gibt’s dagegen kaum, fanden wir doch eine braune Flüssigkeit auf dem Tisch im Restaurant, so handelte es sich hierbei meist um Essig. Generell empfanden wir die chinesische Küche als eher Salz-arm.

Tipps und Tricks

Damit der Sack Reis nicht umfällt: Selbst angenähte Gurte
Damit der Sack Reis nicht umfällt: Selbst angenähte Gurte

Hotels buchten wir über CTrip, die in China dominierende Webbuchungsplattform. Wir haben hiermit alles in Allem gute Erfahrungen gemacht. CTrip ist günstiger als beispielsweise Booking.com und im Zweifel gibt es ein englisches Servicetelefon, über das Umbuchungen oder Stornierungen auch ohne Internet durchgeführt können.

Fernzüge sind natürlich nicht umsonst, aber deutlich günstiger als in Europa und ein probates Mittel, im großen Land weite Strecken zu überwinden. Infos über Preise und Zeiten suchten wir über die Plattform TravelChinaGuide raus. Die Fahrkarten selbst jedoch kauften wir am örtlichen Schalter, um die Bearbeitungsgebühren im Netz zu sparen…

Public Transport ist mega günstig und Taxis vorzuziehen. Es ist normal, dass Taxifahrer den Weg nicht genau kennen und man sie deswegen ein bisschen lotsen muss (ggf. mit Navi-App im Smartphone). Busfahrer kennen dagegen ihre Route, man kann einfach einsteigen und beim Fahrer in den Topf ein oder zwei Yuan einwerfen. Ankommen ist garantiert. :)

Bei Rikschafahrten sollte man unbedingt vorab einen angemessenen Preis aushandeln. Bezahlt wird wie im Taxi hinterher. Hierbei verlangen die Fahrer bei Touristen manchmal mehr als vereinbart. Unbedingt hart bleiben…

Das Essen bietet überall Neues, das es sich fast immer auszuprobieren lohnt. Bei kleinen Straßenständen ist es gut und günstig. Wasser wird oft heiß getrunken (vermutlich um Bakterien abzutöten) und meist kostenlos dazu serviert. Auch in öffentlichen Zügen gibt es überall kostenlos heißes Wasser, sodass man sich unterwegs leicht einen Tee oder eine Beutelsuppe zubereiten kann.

Resümee

Selfie vor Tempel
Selfie vor Tempel

China ist ein riesiges Land mit mindestens genau so vielen Facetten wie Regionen. Das Preisniveau liegt (zumindest in den von uns besichtigten Großstädten) über dem Durschnitt asiatischer Länder, was sich auch in unserem Reisebudget merklich niederschlug. Auf unserer Nord-Süd-Durchquerung erschlossen wir uns nur den Osten. Der Westen soll ebenfalls schön und ganz anders sein. Daher nehmen wir keinen Abschied sondern sagen auf Wiedersehen.

P.S.: Habt ihr noch Fragen oder Feedback? Dann nutzt doch die Kommentarfunktion oder schreibt uns per Mail (mail@get-lost.world). Wir freuen uns immer über Rückmeldung.

3 thoughts on “China-Compilation: Rückblick und Zusammenfassung

  1. Krass!! Könnt Ihr mir bitte so eine Chinesenkinderschokolade mitbringen, oder noch besser gleich herschicken!!! Schmeckt die wie unsere, oder irgendwie mehr so in Richtung Fisch&Reis-Geschmack… Innen, das Weisse ist der Reis, aussen das Braune ist so Familienglück oder 7-Köstlichkeiten…
    Oder wenn Ihr schon raus seid aus C., dann schickt mir eine malayische oder indonesische Kinderschokolade!

    Hier kalt, dunkel, Regen, Herbst: es deutet sich an, was schon Graf Krollock im “Tanz der V.” voraussahnte: “So viele lange dunkle Winterabende…”

    Gedrückt von Euerm K.J.

    1. Werter Kapitän J.!

      Herzlichen Dank für Ihre Service-Anfrage. Die von Ihnen angesprochenen Länder haben wir leider alle schon passiert (siehe Travel-Map). Wir halten jedoch in Thailand die Augen weiterhin offen nach differenzierten West-Produkten und tun unser Möglichstes.

      MfG,
      Carsten
      Abteilung Customer Service

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