Koh Rong Samloem – Über Robinson und eine Insel

Wir suchten und fanden sie: Eine der letzten, weitestgehend unbesiedelten Urlaubsinseln mit tropischem Flair und Traumstrand. Ohne Touristenmassen, dreckige Abwässer oder Plastikabfall. Und das nicht nur dort, wo einem das Hotel-Resort mit viel Aufwand die Illusion perfekt zu machen versucht. Koh Rong Samloem ist (noch) so ein Ort, doch seine rapide Erschließung ist eingeläutet. Wir hatten das Glück, in der Nebensaison nach dem Monsunregen dort zu sein und die größtenteils unberührte Insel nur mit wenigen anderen Menschen teilen zu müssen.

Details

Bis vor wenigen Jahren war auf Koh Rong Samloem nichts außer einem kleinen Fischerort und einem alten Leuchtturm aus alter, französischer Kolonialzeit. Die Hufeisenförmige Insel verfügt in ihrem Inneren über einen Bilderbuchstrand (Saracen Beach) mit klarem Wasser, wie es blauer kaum sein könnte. Rückseitig befinden sich zwei weitere kleine Strände (Lazy Beach und Sunset Beach). Vor circa sechs Jahren siedelten sich die ersten Backpacker-Unterkünfte hier an und boten abenteuerlustigen Reisenden erstmals die Möglichkeit, in einfachem Ambiente auf der Insel zu nächtigen. Bis heute legen nur wenige Bote am Tag an den kleinen, selbst errichten Stegen an. Bescheidene Unterkünfte und eine Tauchschule auf jeder Seite ist alles, was an Zivilisation ins Auge fällt. Kein Strom, kein Internet, weder Straßen noch zentrale Kanalisation. Immerhin hat man sich darauf verständigt, der Touristen Hinterlassenschaften erst einen Kilometer jenseits der Küste ins Meer zu leiten, sodass beim Baden keinerlei Überraschungen auftauchen und die Sicht nach unten nicht eingetrübt wird. Lediglich in den Abendstunden laufen je nach Unterkunft für wenige Stunden die Diesel-Generatoren, um ein bisschen Elektrizität für Licht zu erzeugen. Dann kann man mit etwas Glück sein Mobiltelefon laden, wenn man möchte. Obwohl dafür eigentlich keine Notwendigkeit besteht, denn von Handy-Netz kann nur bedingt die Rede sein.

Mein Geburtstag

Wir setzten zwei Tage vor meinem Geburtstag auf Koh Rong Samloem über und mieteten uns ein Strohmatten-Bungalow. Am Morgen meines Geburtstags dann durchquerten wir den Dschungel mit Sack und Pack, um im Robinson-Resort eine Holzhütte mit Solar-betriebenem Nachtlicht zu beziehen. Abgeschieden von der Außenwelt hatten wir genug Ruhe, bei uns zu sein, zu baden, zu schnorcheln und unser Reisetagebuch auf den aktuellen Stand zu bringen. Sogar eine Geburtstagstorte aus Sand backte mir Michaela! Das perfekte Glück wurde lediglich von einer Maus gestört, die sich nachts durch die Außenwand meines Rucksacks knabberte und die tief im Innern versteckten Sonnenblumenkerne fand und fraß.

Hinter der grün-blauen Fassade

Großinvestoren aus Japan, Hong Kong und China haben sich bei der Regierung die Grundrechte der Insel auf 99 Jahre gesichert und verpachten die Grundstücke an der Küste an Kleinunternehmer weiter. Entsprechend wird dort gerade eine Pension nach der anderen gebaut. Zwar meist noch bodenständig – Bungalows unterschiedlicher Preiskategorien, zu mieten für zwischen 20 und 200 US$ pro Nacht, aber dies verändert schon jetzt spürbar das dortige Klima: Mehr Urlauber, mehr Boote, mehr Touristen. Zudem sieht man die Folgen von Überfischung, wenn man bei seinen Tauch- oder Schnorchelgängen etwas genauer hinsieht. Überall um die Insel tummeln sich die kleinen Fischerboote. Die Artenvielfalt ist eher klein, Fischschwärme halten sich in Grenzen. In den Riffen hängen vielerorts abgerissene Schleppnetze. Schätzungsweise 80 Prozent aller von uns gesichteten Korallen sind teilweise abgebrochen.

Schlusswort

Ein Paradies auf Zeit also? Jedenfalls im Moment noch ein Ort zum relativ einsamen Entspannen in traumhafter Strand-Atmosphäre. Letztere kann und sollte man in vollen Zügen genießen, so lange es noch geht.

One thought on “Koh Rong Samloem – Über Robinson und eine Insel

  1. Wirklich ein echter Traum! Kinder… an diesen Geburtstag werdet Ihr Euch noch ewig erinnern, wenn Ihr dereinst verträumt und nacken-verspannt aus Euren (nicht-zu-öffnenden) Bürofenstern auf den bis fast zum Horizont oder bis zur nächsten IKEA-Blaubox reichenden Firmen-Großparkplatz starrt :-)

    Ich fragte mich jedoch, was für “Krabbel-Tierchen” da außer vergleichsweise niedlichen knabbernden Mäusen sonst noch so rumkriechen…

    Und noch was zur noch-unbewohnten Insel: 7 Milliarden sind einfach definitiv zu viel, selbst wenn diese ihren Lebensstandard und ihre Reiselust zehnteln würden!!! Neben all den Bemühungen um geschlossene Rohstoff- und Produktkreisläufe muss man wirklich auch das Problem der Überbevölkerung massiv angehen!!!

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