Sumatra Part 2 – “Bali is holiday, Sumatra is adventure!”

Eine wichtige Grundcharakterisierung von Indonesien lautet: “Bali is holiday, Sumatra is adventure!”. Der eben zitierte Leitspruch aus unserem Reiseführer kam uns in Erinnerung, sobald wir in einem der Busse saßen, die uns zu unserer jeweils nächsten Etappe bringen sollten. Dass Straßen in Asien oft nicht im besten Zustand sind, weiß man. Aber in Sumatra führen diese zusätzlich durch die Wildnis; Serpentinen schlängen sich hoch und wieder hinunter, durch tiefen Urwald, in dem nur hin und wieder Holzhütten auf vorhandene Zivilisation hindeuten. Nachts keine Straßenbeleuchtung. Alles tief schwarz. Unsere Fahrer fröhnten laut aufgedrehten Batak-Hymnen und traten selbstbewusst aufs Gaspedal, um slalomfahrend dem Gegenverkehr auszuweichen. Aber der Reihe nach…

Bukittinggi

Nachdem wir vor Mister Rais Reißaus genommen und Pariaman hinter uns gelassen hatten, begrüßte uns Bukittinggi mit einer ungewohnten, aber angenehmen kühlen Brise. Diese recht kleine aber wunderschöne Stadt ist etwas höher gelegen. Das Klima ist hierdurch milder. Wir spazierten durch die Stadt, in der wir uns beide sofort wohlfühlten und bester Laune mehrere Gästehäuser abklapperten. Das Hello Hostel wurde unsere Unterkunft für die nächsten Tage und wir erfreuten uns bester Betreuung und gründlichster Sauberkeit; um beides war die Besitzerin Ling mit ihrer akribisch-chinesischen Mentalität stets bemüht. In Sumatra bekennen sich 80% der Bevölkerung zum Islam. Unser Hostel befand sich genau zwischen zwei Moscheen. Jedes Mal, wenn die Muezzins zum Gebet riefen, hatten wir die Ehre, ihren sich vermischenden Gesängen zu lauschen – fünf Mal am Tag, das erste Mal morgens früh bei Sonnenaufgang.

Neben dem eher deprimierenden Zoo und verschiedenen üppigen Märkten bestaunten wir außerdem den Ngarai Sianok Canyon vom Panorama-Park aus. Durch ein 1400 Meter langes Tunnelsystem mit verschiedenen Bunkern gelangt man hinunter ins Tal. In dessen Innern gibt es kein Licht. Daher sollte der Plan am Eingang vorab studiert werden, damit der Ausgang auch gefunden wird. Es kann optional ein Guide engagiert werden, was wir aber nicht in Anspruch nahmen und mit Handy-Display-Licht gewappnet auf eigene Faust durch das Labyrinth irrten. Nach ca. zehn Minuten auf der anderen Seite angekommen, wartete ein beeindruckender, grüner Canyon mit Flusslauf und Reisfeldern.

Nach meinem Armbruch beim Fahrradsturz in Peking hatten wir uns noch nicht wieder an Fahrräder oder Motorroller herangetraut, was wir hier nun ändern wollten. Wir liehen uns für 4 € einen fahrbaren Untersatz, um damit ins 40 km entfernte Harau Valley zu fahren. Leider spielte das Wetter so gar nicht mit. Nach der Hälfte der Strecke stürmte und regnete es, wobei uns das erste Mal auf unserer Reise kalt war. Wir hielten mehrfach an, um uns unterzustellen und entschieden letztlich umzukehren. Die Vorfreude auf die warme Dusche und unser kuscheliges Bett war groß an diesem Nachmittag…

Unser nächstes Reiseziel sollte der Tobasee sein. Der Weg dahin hielt jedoch einige Hürden für uns bereit…

Tobasee bzw. Lake Toba

In dem mit LED-Lichterketten bestückten Localbus teilten wir die Sitzplätze nicht nur mit Einheimischen, sondern auch mit jeder Menge Paketen und alten Autoreifen. Die ursprünglich erfragte Busfahrt sollte etwa 12 Stunden dauern. Erst nach 21 Stunden erreichten wir unser Ziel. Warum es so lange dauerte? Fast stündliche Busfahrerpausen zwecks Kaffeetratsch, Kartenspielen oder gemeinsamem Bier-Trinken. Falsche Endhaltestelle in Sibolga. Falscher Steg der Fähre aus Parapat. Deshalb zusätzlich zwei Stunden Fußmarsch am Endziel Samosir. Aber das Ergebnis zählt und wir kamen schließlich an.

Der Lake Toba ist der größte Vulkansee der Welt, welcher wiederrum eine Insel namens Samosir beherbergt, auf der wir die nächsten Tage verweilen wollten. In einem Café informierten wir uns bei einem Zuwanderer über Hostels, bis uns Marie und Nicolas, zwei Volunteers aus Biji-biji-Zeiten in Kuala Lumpur, uns zufällig über den Weg liefen. Sie wohnten hier bereits seit einer Woche in einem tollen Homestay und nahmen uns mit. Wir mieteten ein Batakhaus (traditionelles Holzhaus) inkl. Badezimmer und zahlten dafür läppige 4,5 € pro Nacht. Frische Smoothies und gesunde Speisen gab es im angegliederten Restaurant für 0,50 € und so ließen wir es uns gut gehen. Wir mieteten unter anderem ein Kanu und einen Motorroller, badeten im See, spazierten durch unser geister-leeres Touristen-Dorf namens Tuk Tuk (Nebensaison!) und verbrachten die Abende in geselliger Runde mit den anderen Homestay-Bewohnern. Von alten Zeiten der einstigen Hippie-Community zeugen beibehaltene Traditionen: In vielen Cafés können bis heute „Magic Mushrooms“ erworben werden – angeblich mit deutlich explosiverem Rausch, als Kenner es in Europa gewohnt sind.

Nach diesen eher entspannten Tagen wollten wir vor unserem Rückflug noch einen Vulkan besteigen. In Berastagi gibt es gleich zwei und der Ort liegt praktischerweise auf dem Weg nach Medan, von wo aus unser Flieger ging. Für die verhältnismäßig kurze Reise nach Berastagi stiegen wir ganze drei Mal um, was aber geplant war und ausnahmsweise problemlos verlief.

Berastagi

Nachdem die Besitzer unseres auserkorenen Hotels nach zwei Stunden fragen, klopfen und warten endlich erschienen, bezogen wir müde unser Zimmer und gingen sofort schlafen. Am darauffolgenden Morgen nahmen wir noch die nachbarlichen Feierlichkeiten zum Opferfest mit (siehe Fotos), bevor wir uns zeitig aufmachten, um den Vulkan Sibayak zu erklimmen. Auf der zweiten Hälfte der Wanderung wurde der Pfad richtig schön. Der Weg verlief durch den Dschungel. Gegen Ende mussten einzelne Wegabschnitte erklettert werden. Nach drei Stunden hatten wir den Kratersee erreicht, wo uns der stechende Schwefelgeruch in die Nase stieg und wir feststellten, dass es noch so einiges mehr zu entdecken gab. Wir verbrachten hier eine ganze Weile, bestiegen mit Sandalen an den Füßen Felsvorsprünge und stromerten zwischen pfeifenden Gas-Ausstoßungen herum. Dieser großartige Tag wurde abgerundet mit einem wunderschönen Sonnenuntergang beim Abstieg und einem Dachterrassenausblick vom Hotel aus auf den noch aktiven Nachbar-Vulkan Sinabung, wo wir im Dunkel der Nacht spuckende, brodelnde, tief rote Lava sehen konnten. Ein unvergessliches Ende unserer fantastischen Reise durch Sumatra…

4 thoughts on “Sumatra Part 2 – “Bali is holiday, Sumatra is adventure!”

  1. KINDER!

    Die Geschichte mit Mr. Rais hat mich so berührt, dass ich heftig weinen musste! Der liebe Mann wollte Euer Freund sein, opferte seine knappen wertvollen Tage und Nächte, schlief vor Eurer Haustüre, verfolgte Euch auf Schritt und Tritt bis an den (nun auch für ihn) gedeckten Tisch und ins Bad und Schlafgemach hinein, legte sogar seine Hand auf Carstens Knie (Was für ein schöner Liebesbeweis!!!) … erwiesenermassen die beste Methode, um sich mit jemandem anzufreunden. Er wollte Euch glücklich machen! Aber Ihr verwöhnten gefühllosen Lümmel habt seine Zuneigung nicht wertgeschätzt: ihr habt ihn stattdessen für eine schmierige aufdringliche nutzlose perverse Zecke gehalten, die Euch gehörig auf die Senkel geht und die ihr loswerden und abschütteln wolltet wie ein Rotz am Ärmel!!!

    Pfui! Pfui, Michaela und Carsten, rufe ich Euch da laut zu!

    Wann habt Ihr denn bitteschön das letzte mal bei Eurem Onkel B. aus B. gedacht, wie Ihr den wohl glücklichen machen könntet? Das kann ich Euch ganz genau sagen, Michaela und Carsten: es ist SEHR SEHR LANGE HER!!! Dabei ist es so einfach bei mir: ein bisschen Geld, ein bisschen Schokolade, ein zwei Bierchen, schon lacht die Sonne wieder… Mein Freund, der liebe Mr. Rais, sollte Euch Vorbild, Beispiel und Führung sein! Denkt bitte mal darüber nach….

    Auch bei dem Busfahrer zum Togo- oder Tobako-See (oder so ähnlich) habt Ihr Euch aus meiner Sicht schoffel verhalten. Man kann doch die Verhältnisse im deutschen Reich, wo ich eine “Verspätungsmail” bekomme, wenn die Eisenbahn mal fünfe später kommt und diese wiederum von meinem Anwalt Post bekommt, wenn es sogar zehne sind, nicht verallgemeinern. Da kann so ein Bus auch mal 20, 30 Stunden später kommen, ja, mein Gott, wo ist das Problem, wenn man sich innerlich zu beschäftigen weiß. Zum Beispiel könntet ihr in aller Stille monotone Mantras aufsagen, z.B. “Drecksbus, Saubus, Arschbus, Lutscherbus, Brotbus!”, und dann alles wieder von vorne, das tut der Seele so wohl… versucht es nur einmal. Der analphabetische Busfahrer ist auch nur ein Mensch, die Fahrt im Dunkeln, ohne Plan und ohne Licht auf unbefestigten Straßen mit bekifftem Gegenverkehr ist anstrengend und so fährt es sich nach 10, 15 Bier wesentlich zügiger und beschwingter, wenn die eine oder andere Zielstation auch mal verfehlt oder vergessen wird… Schön aber , dass ihr später dann zwischen giftigem Schwefelsmog und spritzendem Magma ein bisschen enspannen und auftanken konntet: die Natur ist halt einfach wahnsinnig inspirierend und wer weiss, vielleicht stand ja sogar ein ganz kleines oder großes Erdbeben unmittelbar bevor….

    Ergo: PASST BITTE AUF EUCH AUF… auf den hiesigen Ämtern sind in der Zukunft noch EINIGE Formulare für Euch auszufüllen!!!

    Euer leicht verärgerter, aber auch besorgter Kapitän Jorgos

    1. Hallo, Hater-Hans!

      Trotz beinahe lebenslanger Erfahrung mit Deinem Sarkasmus hast Du es geschafft: Wir waren kurz mal ein bisschen schockiert. :) Natürlich haben wir uns darüber hinaus sehr gefreut über Deine Anteilnahme.

      VG, Carsten

  2. Ich fühle mich glücklich und geehrt, dass ich es tatsächlich geschafft habe, Euch wenigstens einmal aufzurütteln!
    Eure Geschichten sind toll, Grüße an Mr. Rais :-) K.J.

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